Peter Bohn + Assoziierte

Gesellschaft von Architekten mbH

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2016

BPR spezial

Auflage 3.300

Anlass   Dringend benötigt überall werden bezahlbare Wohnungen für Bürger mit geringem Einkommen, für Studenten, für Menschen, die sich in ihrer Berufsausbildung befinden, für Menschen am Beginn ihres Berufslebens, für Migranten und junge Familien. In besonderem Maße augenfällig wurde das Thema seit 2015 auch mit dem dramatisch angestiegenen Flüchtlingsstrom. Allen diesen Menschen gemeinsam ist der Bedarf nach günstigem Wohnraum für beschränkte Zeit, drei, maximal vier Jahre. Dann sind Studium oder Berufsausbildung abgeschlossen, Berufsanfänger haben sich etabliert, das Asylverfahren wurde entschieden, der Wechsel in eine Wohnung auf dem freien oder sozialen Markt steht an. Eine freie Wohlstandsgesellschaft mit prosperierender Wirtschaft zieht Menschen an aus der ganzen Welt. Die Nachfrage nach temporärem Wohnen wird dabei aktuell so gut wie nicht bedient.
Aufgabe   In den prosperierenden Städten Deutschlands muss bezahlbarer Wohnraum für temporäres Wohnen geschaffen werden. Die aktuelle Diskussion wird getragen vom Ruf nach dem Herabsetzen von Baustandards. Massenunterkünfte sollen nun kurzfristig errichtet werden, bei denen Missstände schon im Konzept angelegt sind. Es wird nur reagiert, so als ob das etwas Neues wäre… Zum einen greift das in die Würde der Menschen ein, zum anderen entstünden Wegwerfbauten mit kurzer Lebensdauer. Nicht nur Kapital, auch Ressourcen, Entwicklungsmöglichkeiten würden so blockiert. Zudem ist nicht abzusehen, dass sich der Bedarf in den prosperierenden Zentren mittelfristig verringern wird. Für den Bedarf nach temporärem Wohnen sollten also permanente Bauten geschaffen werden. Und die Wohnungen, in einzelnen Häusern oder ganzen Quartieren, müssen dem Bedarf ihrer Bewohner entsprechen. Und diese Quartiere müssen städtebaulich an den Bestand angegliedert, in Bestehendes integriert werden.
Idee    Für den dauerhaften Bedarf an temporärem Wohnen müssen aus unserer Sicht qualitätvolle permanente Bauten errichtet werden. Ihre Anordnung soll dabei unter städtebaulichen Gesichtspunkten erfolgen. Durch modulare Planung kann schnell, bedarfs- und situationsgerecht konfiguriert, durch modulare Bauweise schnell und kostengünstig gebaut werden. In einem ersten Schritt werden Nutzeranforderungen formuliert und ein Anforderungskatalog erarbeitet. Darauf basierend lassen sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten von Nutzungsmodulen entwickeln. Dann gilt es, die gebäudetechnische Infrastruktur (Lüftung, Elektrotechnik, IT, Brandschutz) für die maximal mögliche Belegung zu planen. Hierfür werden die Geschossflächen in Teilflächen unterteilt, denen Raummodule und Technikmodule zugeordnet werden. Das Ergebnis ist ein individueller Baukasten für die modulare Planung. Die solchermaßen konzipierten Bauten erfüllen selbstverständlich alle geltenden Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Bauphysik, gesetzliche Normen, Bestimmungen und Vorgaben werden eingehalten. Höchste energetische Standards wie z. B. Passiv- oder Plusenergiehaus sind möglich. Die kurze Bauzeit, die hohe Flexibilität in der Nutzung und die Anpassungsfähigkeit an künftige Anforderungen machen die auf modularer Planung basierende Bauweise besonders nachhaltig. Besondere Aufenthaltsflächen im Freien – Urban-Gardening-Konzepte, Sportflächen etc. – schaffen für die Bewohner zusätzlichen Nutz- und Freizeitwert.